Berlin Adler

Das große Adler-Cheerleader-Interview

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Zur Adler Mitgliederversammlung im November wurde es bereits angekündigt: Zu Beginn des kommenden Jahres werden die Cheerleader unseren Verein verlassen, um sich einem neuen Verband anzuschließen. Diese Trennung ist vielen nicht leicht gefallen, doch in einer Beziehung würde man sagen „in beiderseitigem Einverständnis“. Vergangene Woche sprach Björn Hesse mit sämtlichen Trainerinnen, (Foto v.l.n.r.: Kerstin Stadlober, Rebecca Sammartano-Marinovic, Carina Küper, Jeannine Kühne, Lisa Wehr, Viviana Sack, „Sammy“ Engel) um den notwendigen Schritt zu erläutern und um hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken.

Björn: Steigen wir direkt ein in das Thema, was sind Eure Beweggründe gewesen, die Adler zu verlassen?

Kerstin (Junacs): Wir werden den Verein & Verband wechseln, weil wenn wir bei den Adlern bleiben nicht in dem Verband starten können, wo wir wollen. Der neue Verband ist der CCVD (Cheerleading und Cheerdance Verband Deutschland), der sich nur um Cheerleader kümmert und nix mit Football zu tun hat, auch besser organisiert ist aus unserer Sicht. Da sind die leistungsstärkeren Teams mit denen man sich messen kann und darum wollen wir da hin. Aber der AFVD lässt uns nicht dort antreten solang wir bei den Adlern sind.

Jeannine (Jokers): Sie lassen uns schon da antreten, aber das Problem wäre, dass wir dann kein Lizenzen mehr bekämen oder Strafen zahlen müssten. Dass wollen wir natürlich nicht in Kauf nehmen.

Björn: Das heißt, wenn ihr jetzt die Adler verlasst, müsst ihr auch einen eigenen Verein gründen?

Carina (Aces): Also wir könnten einen eigenen Verein gründen oder wir gehen zu einem Verein, den es schon gibt. Und das ist jetzt auch unsere Wahl, die wir getroffen haben, weil mit einer eigenen Vereinsgründung noch viele Aufgaben verbunden sind, die wir so noch nie ausgeführt haben, die wir bei den Adlern genossen haben, als wir da noch untergegliedert waren. Deshalb haben wir uns auch gesagt, wir suchen uns jetzt einen Verein, wo wir unsere Farben  behalten können und auch unseren Namen – natürlich nicht mehr als Berlin Adler Cheerleader antreten, aber zumindest den Namen ACES weiter fortführen können – auch in Absprache mit den Adlern. Somit treten wir einem anderen Verein bei, wo wir eine eigene Abteilung gründen, aber uns auch selbstständig organisieren können.

Björn: Wie heißt denn der neue Verein?

Carina: Es darf kein Footballverein sein, dass ist das große Problem. Deshalb gibt es mittlerweile auch kaum noch Cheerleader in Footballvereinen. Das wird dadurch provoziert, dass  vor allem leistungsstarke Teams die Footballvereine verlassen,weil es sonst nicht mehr möglich ist, in dem anderen Verband zu starten. Wir sind dann beim Polizeisportverein PSV. Das ging auch relativ problemlos, dass wir dort mit einsteigen konnten als unsere eigene Abteilung und dem Hauptverein gegenüber nur wenige Rahmenbedingungen erfüllen müssen. Die haben ganz viele verschiedene Abteilungen und wir sind eine davon.

– CHEERLEADER WECHSELN 2016 ZUM POLIZEISPORTVEREIN –

Rebecca (Junacs): Sie sind mit einer der größten Sportvereine in Berlin so weit ich weiß. Die haben eine Menge Sportarten und Abteilungen unter sich.

Björn: Und der Wechsel erfolgt jetzt zum Ende des Jahres…

Kerstin: Genau, wir sind ausgetreten zum 31.12. und treten in dem neuen Verein zum Jahreswechsel an.

Carina: Es gibt diese zwei Verbände und im Senior Bereich gibt es im AFVD mit uns nur noch zwei Teams in Berlin, die zur Meisterschaft angetreten sind starten. Es ist wirklich fast gar keine Konkurrenz mehr vertreten. Das wissen die Adler schon ganz lange. Auch unsere Überlegungen und das Drängen der Mitglieder. Akut sind wir seit Anfang 2015 mit Aykut im Gespräch. Aykut (Berlin Adler Geschäftsstellenleiter Aykut Tercan, Anmerk. d. Red.) hat schon zum Anfang des Jahres im Gespräch ganz viel versucht, dass es vielleicht doch noch möglich ist.

Wir sind aber auch schon seit drei Jahren im Gespräch mit den Adlern, das ist schon eine Sache, die langjährig ist und keine Sache von jetzt auf gleich. Wir hatten vor 2-3 Jahren bereits den Wunsch geäußert und jetzt ist es so, dass wir im letzten Jahr den Adlern gesagt hatten, so sieht die Situation aus. Zum Ende des Jahres 2014 hatten wir schon mal den Wunsch, aber dann gab es Probleme bei den Adlern mit dem Geld, da wollten wir auch nicht sagen ‘Jetzt sofort’. Dann wollten wir auch nochmal mit den Verbänden sehen, dass wir bei den Adlern bleiben. Wir haben alles Mögliche versucht. Wir haben Gespräche geführt. Aykut hat auch viele Gespräche geführt. Von der Cheerleader-Abteilung und vom Adler Vorstand wurde Einiges unternommen. Wir hatten uns da viele Gedanken gemacht.

Björn: Man hatte mitbekommen, dass auch beim Crowdfunding im März einige Diamantics und Junacs die Adler beim Youtube-Videodreh unterstützt hatten. Wie war denn der Zusammenhalt zwischen Footballern und Cheerleadern vorher gewesen?

Lisa (Aces): Ich bin jetzt seit 6 Jahren bei den Adlern, hatte auch vorher kein Cheerleading gemacht, sondern bin direkt zu den Adlern gekommen, war dann auch direkt im Senior Team bei den Aces. Meine spezielle, freundschaftliche Beziehung zu den Adler-Spielern ist jetzt nicht so ausgeprägt…

Jeannine: Karli findest Du auch gut! (Karl Michel, ehemaliger Adler-Spieler, aktueller Bambini Coach und btw Freund von Jeannine, Anmerk. d. Red)

Lisa: Ja, Karl ist auch nett 😉 Aber man hatte nicht irgendwas gemeinsam unternommen oder so. Höchstens waren wir nach den Spielen mal beim gemeinsamen Team-Essen vorbeigekommen und haben mit vereinzelten Leuten geplaudert. Aber das waren auch nur Vereinzelte. Aber wie man sich das so in den typisch amerikanischen Film vorstellt, das man jeden Tag zusammen verbringt, so ist das jetzt nicht.

Wir hatten ja jetzt schon viele Erfolge feiern dürfen in den letzten zwei Jahren und man will natürlich weiterkommen. Man will auch die Erfolge halten, aber sie nur zu halten macht dann auch kein Spaß mehr. Man will natürlich auch weiterkommen und mal gucken, wie man sich im neuen Verband so schlagen kann. Ich finde es natürlich auch schade, dass wir uns jetzt von den Adlern trennen müssen, aber wir haben immer noch eine freundschaftliche Basis und das soll auch so bleiben – Also Aykut darf auch gerne weiterhin mit uns telefonieren 😉

Viviana (Aces): Eigentlich wurde bisher schon fast alles gesagt. Ich bin seit 13 Jahren bei den Adlern, mein erster und einziger Verein waren die Adler und sind es bis heute. Wenn sich die Zeit findet, würden wir auch weiterhin zu den Spielen kommen und dort lautstark unterstützen. Sei es nun einfach nur vom Publikum aus oder auch in irgendeiner anderen Form. Das müssen wir sehen was die Zukunft bringt… In den letzten Jahren hatten wir wenig Kontakt zu den Footballern, aber das ist jetzt schon etwas besser geworden, man hat auch mal etwas privat unternommen. An sich ist es ein gutes Verhältnis und sollte auch so bleiben in Zukunft.

Björn: Das war jetzt die perfekte Überleitung. Kommen wir mal zu Jeannine. Du und Karl erfüllen das klassische Footballer-Cheerleader-Päärchen Klischee…

Jeannine: Ja, hier haben wir uns kennen gelernt 😉

– NEUES SHOW TEAM BEI DEN ADLERN IN PLANUNG –

Björn: Du bleibst auch immer noch die Verbindung zu den Adlern, denn Du willst zukünftig eine Show-Truppe aufbauen, die an den Gamedays den Wegfall der Cheerleader kompensieren soll…

Jeannine:  Das neue Adler Show-Team soll zwar auch in Richtung Cheerleading gehen, aber auch Cheer Dance, so genau haben wir das noch nicht festgelegt. Aber es soll eben nicht Richtung Meisterschaften gehen, damit nicht noch einmal das selbe passiert, dass die Cheerleader wieder den Verein wechseln, weil das Problem mit dem Verband da ist. Das Show-Team bauen wir jetzt komplett neu auf. Dafür wird erst einmal eine Trainerin gesucht und ich manage das alles.

Björn: Habt ihr ein Dance-Tryout in Planung?

Jeanni: Davon gehe ich aus…

Björn: Es sind ja nur noch 5 Monate bis zum ersten BIG6-Heimspiel am 23.4.2016 gegen die Swarco Raiders.

Jeanni: Ich werde das alles nicht alleine entscheiden. Das wird zusammen mit der Trainerin entschieden. Das kommt auch darauf an, was sie dann für genaue Ziele hat. Wir wollen ein Entertainment Team aufbauen, was man für Messeauftritte und Feiern buchen kann. Und welches natürlich fester Bestandteil der Heimspiele wird und welches auch bei Auswärtsspielen an der Sideline steht und die Jungs unterstützt.

Björn: Sammy, wie beeinflusst Dich der Vereinswechsel?

Sammy (Shivas): Seit 2004 bin ich insgesamt bei Berlin Adler und habe da mit meiner Cheerleadingkarriere begonnen. Seitdem bin ich auch bis zur letzten Saison aktiv bei den Aces und Jokers gewesen. Die Meisterschaften stehen ganz oben bei uns. Darum machen wir auch Cheerleading, um uns mit anderen Teams messen zu können. Und genau aus diesem Grund ist es sehr wichtig für uns den Verband zu wechseln.

– CHEERLEADING WM 2015 –

Björn: Lässt sich die zurückliegende Cheer-WM in Berlin mit der in Thailand vergleichen?

Jeanni: So richtig vergleichen kann man’s nicht, denn Thailand war das non-plus ultra. Da wurden selbst Parties organisiert. So etwas gab’s hier nicht. Es war trotzdem besser als ich gedacht hätte, also von der Aufmachung her und so weiter. Aber vergleichbar war es doch nicht.

Rebecca: Ich glaube das ist eine Frage des Geldes und der Personen die helfen. Wir haben ganz einfach im AFVD und CCVD einfach nicht genügend helfende Hände, die sich wirklich ganz viel Zeit nehmen können, um da einfach mal etwas aufzubauen, weil es jeder wieder nur ehrenamtlich und nebenbei macht. Das sind einfach zu wenig Leute, das ist das Hauptproblem. Klar, sie haben natürlich auch uns gefragt, ob wir helfen können. Aber wir sind auch alle berufstätig, haben Familie, haben 3-4 mal die Woche Training und machen auch selber die ganze Organisation. Da hat man einfach nicht die Zeit, sich noch mehr Arbeit aufzuhalsen.

Björn: Das ist natürlich auch ein Geldfaktor…

Rebecca: Ja, das ist auch ein Geldfaktor. Ich hab z.B. die Meisterschaft über 2 Jahre auch so ein bisschen mitorganisiert und geholfen, wo ich konnte. Und das ist echt das Problem, dass da einfach zu wenige Leute dahinter sind. Das ist einfach so.

– MEISTERSCHAFTEN 2016 –

Björn: Was steht als nächstes für Euch auf dem Plan?

Kerstin: Für uns steht als nächstes die Cheer Regionalmeisterschaft am 12.3. in Riesa an. Die Dance Meisterschaft findet separat in Gießen statt. Da müssen wir erstmal gucken, wo stehen wir, wie können wir mit den anderen Teams mithalten usw.

Carina: Wir wissen, dass das Niveau höher ist, dass wir uns da erstmal reinfuchsen müssen, auch in ein neues Regelwerk. Vom Niveau her ist es wesentlich weiter oben anzusiedeln. Mit den Aces hatten wir zwar viele Erfolge im alten Verband in den letzten zwei Jahren, sind auch Europameister geworden, aber wir werden bestimmt nicht einfach so weitermachen können im neuen Verband. Wir hatten jetzt zum Beispiel in Bottrop teilgenommen an einer offenen Elite Meisterschaft, das war schon ein anderes Niveau und Regelwerk. Da haben wir Einiges aufzuholen. Da hat man in den letzten Jahren auch gemerkt, dass der Leistungssprung schon enorm war.

Rebecca: Und dann gibt’s da noch im Mai die Paris Meisterschaft, die Spring Open. Die Junacs haben da auch schon zweimal dran teilgenommen. Wir wollen jetzt auch ein drittes Mal dran teilnehmen, hatten da auch immer ganz gute Erfolge gehabt.

Björn: Mit wieviel Leuten seid ihr dann vor Ort übergreifend?

Rebecca: Momentan steht es noch in Frage, ob auch die anderen Teams mitfahren. Die Junacs fahren auf jeden Fall mit 25 Teilnehmern. Also insgesamt sind es aktuell 38 die mitfahren, mit Eltern und Coaches. Die Jokers und Aces hatten es zwar auch überlegt, aber da hängt es aktuell mit dem Geld zusammen. Wir schauen mal.

Björn: Letzte Frage zur Showtruppe. Wann seid ihr dann das erste Mal zu sehen? Schon zum ersten Heimspiel Ende April?

Jeanni: Das ist der Plan. Die Frage ist allerdings, haben wir bis dahin genug Leute, haben wir genug Trainerinnen? Zu dem Zeitpunkt hoffe ich es schon. Das ist ein Ziel, was bis dahin vorzeigbar ist, muss man schauen. Wie hoch das Niveau der Tänzerinnen ist, die da mitmachen wollen. Wenn das Anfängerinnen sind, wird es schwierig. Wenn da Leute mit Erfahrung dabei sind, dann kann sicherlich etwas Schönes präsentieren.

Björn: Wir sind gespannt, was uns da erwartet. Vielen Dank, dass ihr Euch die Zeit genommen habt und viel Erfolg und auch viel Spaß im neuen Jahr. Wir sehen uns sicherlich bei dem ein oder anderen Heimspiel.

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